Tiertransporte

EU-Tiertransporte

Tiertransporte in der Europäischen Union

Täglich werden Millionen sogenannter Nutztiere in der EU zur Zucht, Mast und Schlachtung transportiert. Die Globalisierung und die hohe Spezialisierung in Tierzucht und Haltung haben lange, tierquälerische Transporte zu einem festen Bestandteil der europäischen Agrarwirtschaft werden lassen. Dieser Handel mit lebenden, fühlenden Tieren ist in der derzeit praktizierten Art und Weise weder akzeptabel noch zukunftsfähig. 

Rechtlich sind Tiertransporte in der Verordnung (EG) Nr. 1/2005, der so genannten EU-Tiertransportverordnung, geregelt. Sie ist in allen Mitgliedsstaaten der Europäischen Union rechtsverbindlich. Darüber hinaus gibt es in Deutschland eine nationale Tiertransportverordnung mit zum Teil höheren Anforderungen für innerdeutsche Transporte.

Probleme bei Tiertransporten innerhalb der Europäischen Union

Die EU-Tiertransportverordnung sieht kein generelles Verbot tage- und wochenlanger Tiertransporte vor. Die Ruhe – und Transportintervalle dürfen unendlich lange fortgesetzt werden, sodass Tiere über viele tausend Kilometer und durch verschiedene Klimazonen transportiert werden. 

Das vorgeschriebene Platzangebot ist zu gering und die erlaubte Transportdauer zu lang. Jungtiere dürfen bis zu 19 Stunden, Schweine und Pferde bis zu 24 Stunden und Rinder, Schafe und Ziegen bis zu 29 Stunden lang transportiert werden, sofern sie danach für eine Ruhepause von 24 Stunden entladen werden. Für einige Tierarten wie Hühner, Truthähne oder Kaninchen gibt es keine zeitlichen Beschränkungen für den Transport (mit Ausnahme von Küken innerhalb von 72 Stunden nach dem Schlüpfen). 

Die geringen gesetzlichen Anforderungen werden häufig noch missachtet. Tiere leiden besonders unter:

  • Hitzestress,
  • unzureichend Platz, um in natürlicher Haltung zu stehen oder sich hinlegen zu können,
  • mangelndem Wasser- und Futterangebot.

Nach den Strapazen des Transportes müssen viele Tiere weitere, unvorstellbare Schmerzen bei der Schlachtung durchleiden.  

Die geltende EU-Tiertransportverordnung schützt nicht alle Tierarten und Tierkategorien (z.B. Jungtiere) ausreichend. Zu viele Anforderungen sind unklar, nicht praktikabel und werden nicht umgesetzt. Zudem ist die Verordnung veraltet und muss an neue wissenschaftliche Erkenntnisse angepasst werden. Der Untersuchungsausschuss Tiertransporte (ANIT) des EU-Parlaments weist in seinem Abschlussbericht 2022 ebenfalls auf die Probleme bei der Durchsetzung der geltenden Verordnung sowie auf fehlende bzw. schlecht formulierte Rechtsvorschriften hin.   

Der neue Gesetzesentwurf zum Tiertransport wurde im Dezember 2023 von der EU-Kommission vorgelegt und wird derzeit von den politischen Entscheidungsträgern verhandelt.

Was wir tun und fordern

Wir recherchieren, dokumentieren und decken auf, wo die gesetzlichen Anforderungen der EU-Tiertransportverordnung die Tiere nicht schützen, weil sie fehlen, ignoriert oder mangelhaft umgesetzt werden. Wir arbeiten nach dem “Eigene-Augen-Prinzip" und behaupten nichts, was wir nicht selbst beobachtet haben.

Unsere Erkenntnisse in Form von objektiven Berichten, Dossiers, Beschwerden und Videos übermitteln wir den zuständigen Behörden und Institutionen. 

Seit vielen Jahren führen wir Tiertransport-Seminare für Kontrollbehörden (Polizei, Veterinär- und Zollbehörden) u.a. in Deutschland, Ungarn, Polen und Spanien durch. 

Wir fordern eine ambitionierte, neue Tiertransportverordnung, die Tiere umfassend schützt beim Transport. Wir brauchen eine Wende in der EU-Agrarpolitik hin zu einer ethischen Behandlung von Tieren in der Landwirtschaft. Tiertransporte müssen auf ein absolutes Minimum beschränkt, die Transportzeiten begrenzt und der Transport von verletzlichen Tieren (z.B. Jungtiere, tragende Tiere u.v.a) verboten werden.

Der Tierschutzbund Zürich hat in Deutschland die Gründung der Partnerorganisation Animal Welfare Foundation (AWF) initiiert, um innerhalb der Europäischen Union und international aktiv zu sein. Wir stellen unsere Recherchen unter anderem der Eurogroup for Animals zur Verfügung, die sich wie wir auf EU-Ebene für ein Ende von Langstreckentransporten einsetzt. 

Was Sie tun können

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Weitere Informationen

Dossier: 
Evidence of serious and systematic infringements of Regulation (EC) No 1/2005 (2011-2020)

Einsatzberichte