Tiertransporte

Eine Konsequenz der Globalisierung bzw. des globalen Handels ist die Zunahme von Tiertransporten und die Ausweitung der Transportdistanzen. Die Spezialisierung im Agrarsektor, die Liberalisierung der Märkte, die internationale Ausrichtung von Unternehmen und die neuen Informations- und Kommunikationstechnologien machen es heute möglich, Tiere international zu vermarkten. Tiere sind längst Stückgut im Bewusstsein der Produzenten und Verwerter. Doch jedes einzelne Tier, und sei es noch so industrialisiert gehalten, empfindet Schmerz, erlebt Stress, kennt Trauer, geht Bindungen ein.

Die EU geht jährlich von rund 170 Millionen Nutztieren aus, die zur Zucht, Mast und Schlachtung transportiert werden. Rund 10 % dieser Tiere werden, entgegen aller Proteste von Tierschützern, politischen Parteien bis zu Initiativen des Europäischen Parlaments, über Tage und tausende von Kilometer transportiert. Seit 2007 gilt die EU Verordnung 1/2005 zum Schutz von Tieren beim Transport innerhalb der Europäischen Union und bis zum Bestimmungsort im Drittland. Obwohl die Verordnung in Erwägungsgrund 5) fordert: „Aus Tierschutzgründen sollten lange Beförderungen von Tieren- auch von Schlachttieren- auf ein Mindestmaß begrenzt werden.“, ist die Tendenz beim Export lebender Tiere steigend. 

Jährlich werden aus der EU über drei Millionen Schafe und Rinder in Länder wie Nordafrika, die Türkei und in den Nahen Osten exportiert. In diesen Ländern werden die Tiere von keinem Gesetz geschützt und die Schlachtbedingungen sind grausam.

Unsere Teams dokumentieren Tierschutzverstösse beim Transport auf LKWs und auf Schiffen und werden allzu häufig Zeuge von unerträglichem Leid. 

Mit der Anwaltskanzlei Conte & Giacomini Avvocati haben wir seit 2015 mehrere Beschwerden gegen die EU und gegen 13 Mitgliedstaaten vorgelegt, wegen eklatanten Verstössen gegen die EU Verordnung 1/2005. 

Mehrere Dossiers über unsere mehrjährigen Recherchen zum Thema Tiertransporte in die Türkei, Transporte nicht abgesetzter Kälber und zum Transport auf dem Seeweg wurden mit den Beschwerden eingereicht.

Türkei:

Dossier 2016: The Doomed Journey - The failure of the Industry, Member States and EU to protect animals en route to TurkeyDoomed Journey Part I  (Link to film)

Dossier 2016: The Doomed Journey - The failure of the Industry, Member States and EU to protect animals en route to TurkeyDoomed Journey Part II  (Link to film)

 

Kälber- und Lämmertransporte:

Eines drei Jahres Recherche über die systematischen Verstösse gegen die EU  - Tierschutztransportverordnung beim Transport von Kälbern und Lämmern.

Dossier 2016:  The victims of the dairy industry: LONG DISTANCE TRANSPORT OF UNWEANED CALVES AND LAMBS (Link to film)

 

Schifftransporte:

Eine Zusammenfassung der Ergebnisse von drei Jahren, in denen wir neuen Tiertransportschiffe untersucht haben und Tiere auf dem Weg von der EU nach Ägypten auf dem Schiff begleitet haben.
Dossier 2017: Animal welfare overboard - the lack of animal protection during sea transport

 

Unsere Forderung: Änderung der EU-Tiertransportverordnung

Unsere Beschwerden haben Ergebnisse gezeigt. Die Kommission hat Expertengruppen zum Thema „Transport nicht abgesetzter Kälber und Lämmer“, zum Thema „Türkei-Transporte“ und zum „Transport auf dem Seeweg“  eingesetzt. Die Direktion F der Kommission, zuständig für Tierschutz, hat mehrere Untersuchungen in verschiedenen Mitgliedstaaten und der Türkei durchgeführt.

Mit unserem Foto- und Videomaterial konnten wir die Kampagne „Stopp the trucks“ der Eurogroup for Animals unterstützen, bei der über eine Million Unterschriften gegen Langzeittransporte gesammelt werden konnten.

Wir setzen uns für eine zeitliche Begrenzung von Tiertransporten ein und damit für eine Änderung der geltenden EU Verordnung.
Allerdings ist die Dauer des Tiertransportes nur ein Faktor, unter dem die Tiere leiden können. Die Transportbedingungen wie zum Beispiel die Beschaffenheit des Transportfahrzeugs, die Anzahl der geladenen Tiere, die Einstreu, die Anbindung und Abtrennung, die Verträglichkeit der Tiere untereinander, sowie die gesundheitliche Verfassung der Tiere bei der Beladung, spielen eine maßgebliche Rolle beim Transport.
Deshalb setzen wir uns für eine bessere Anwendung der Verordnung ein, die durch striktere und häufigere Kontrollen von Tiertransporten durch Kontrollbehörden erreicht werden kann.

Unsere Berichte zum Herunterladen:

Bericht 2 | 2017

Thema: EU-Tierexporte per Schiff

Herunterladen

Bericht 2 | 2016

Themen: EU-Tierexporte in die Türkei

Herunterladen

Bericht 1 | 2016

Themen: Langzeitrecherche EU Exporte

Herunterladen

Einsatzberichte

20September2019

Rom, Freising | EU-Fortbildung: Tierschutz beim Transport

Wir sind als Experten geladen, um über die Probleme bei Tiertransporten zu berichten.

Im März (12.-15.03.) und im September (17.-20.09.) finden die ersten beiden Fortbildungen zum Thema Tierschutz beim Transport in Rom und Freising statt. Organisiert werden die jeweils viertägigen Fortbildungen durch die Initiative der Europäischen Kommission "Better Training for Safer Food" (BTSF). 

Unter den Teilnehmenden befinden sich Mitglieder…

weiterlesen
11September2019

Niedersachsen stoppt Tierexporte auf der Russlandroute

Rinder bleiben auf der Russlandroute unversorgt.

Das exportstärkste Bundesland Niedersachsen stoppt den Export lebender Rinder nach Kasachstan, Usbekistan, Süd- und Ostrussland. Seit Jahren belegen wir mit unseren Recherchen die Rechtswidrigkeit von Tierexporten in Drittstaaten. Jetzt hat eine Gruppe deutscher Amtstierärzte die Transportrouten ebenfalls überprüft und festgestellt, dass geeignete…

weiterlesen
16August2019

Firma Konrad erneut auffällig mit Qualtransporten

Ende Juli 2019 sind wir mit unserer israelischen Partnerorganisation ISRAEL AGAINST LIVE SHIPMENTS (IALS) mit mehreren Teams im Einsatz. Wir wollen Tiertransporte aus Litauen nach Israel kontrollieren.Am 24. Juli entdecken wir zwei Kälbertransporte, durchgeführt von der polnischen Firma Konrad. Wir informieren die Polizei und lassen die Transporte…

weiterlesen