20November2018

ZDF-frontal 21: "Qualvolle Tiertransporte".

Zum Beitrag in der Mediathek (ab Min 18:40) - Iris Baumgärtner, Animal Welfare Foundation im Gespräch mit Manfred Karremann: "Wenn wir jetzt seit acht Jahren jedes Mal in diesen paar Tagen, die wir an der Grenze sind eben, diese Ausnahmen dokumentieren, dann sind das eben leider keine Ausnahmen mehr."
SPD, CDU, CSU und AFD wollen dass diese Qualtransporte weitergehen.

Die Redaktion Frontal 21 schreibt:

Qualvolle Tiertransporte

Das Leiden der Rinder

Millionen Tiere werden jedes Jahr quer durch Europa transportiert, bis nach Nordafrika und in den Nahen Osten. Hauptabnehmer für deutsche und EU-Rinder sind seit Jahren Drittländer wie der Libanon, Libyen und Ägypten, aber auch die Türkei. 2018 hat das Land Importgenehmigungen für eine halbe Million Rinder aus der Europäischen Union erteilt.

Die Tiertransporte sind ein profitables Geschäft, denn die Zölle für Fleisch sind beispielsweise in der Türkei wesentlich höher als die für Lebendtiere. Dafür sind die Rinder oft tage- oder wochenlang eingepfercht auf Lastwagen und Schiffen unterwegs oder müssen bei viel zu großer Hitze ohne Wasser an den Grenzübergängen ausharren. Schon kleine Kälber werden über 3000 Kilometer weit transportiert. Am Ziel angekommen, erwartet die Tiere ein qualvolles Ende in den Schlachthöfen der Drittländer.

Tierschützer schlagen Alarm: Niemand schert sich mehr um die Gesetze, sobald unsere Tiere die EU verlassen, so ihre Beobachtungen. Sie berichten beispielsweise von verdursteten Rindern am türkischen Grenzübergang, von einer unsäglichen Quälerei auf alten Viehfrachtern und nach der Ankunft im Nahen Osten und Nordafrika.

Dass bei Tiertransporten über weite Strecken EU-Standards häufig nicht eingehalten werden, zeigte im November 2017 bereits die ZDF-Sendung "Geheimsache Tiertransport" und brachte die Missstände erneut in das Bewusstsein einer breiten Öffentlichkeit. Inzwischen hat auch die Politik Handlungsbedarf erkannt.

Abgeordnete des Europäischen Parlamentes aus Deutschland, Österreich und den Niederlanden hatten sich im Juli 2018 vor Ort ein Bild von Tiertransporten gemacht und Verstöße gegen die EU-Richtlinie zum Tiertransport dokumentiert. Ihre Recherchen werden sie jetzt der Europäischen Kommission in Brüssel vorstellen und ein Stopp von Exporten in Drittländer fordern.

Auch der Europäische Gerichtshof vertritt die Ansicht, dass die geltende EU-Tiertransport-Verordnung bis zum Zielort eingehalten werden muss, selbst wenn dieser außerhalb der EU liegt.

In Deutschland hatte der Ausschuss für Ernährung und Landwirtschaft des Bundestags im Juni 2018 Experten zum Thema Tiertransporte in Länder außerhalb der EU befragt. Anlass waren Anträge der Fraktionen von FDP und Grünen. Diese forderten schärfere Kontrollen von Lebendtiertransporten in Drittländer und, im Antrag der Grünen, einen Stopp der Transporte, sollte dies nicht möglich sein. Obwohl sich alle Sachverständigen dafür aussprachen, Tiertransporte in Drittländer stärker zu kontrollieren, lehnte Ende September 2018 der Agrarausschuss des Bundestages mit den Stimmen von CDU/CSU, SPD und AfD die beiden Anträge ab.

Frontal 21 über qualvolle Lebendtiertransporte und das Zögern der Politik, konsequent dagegen vorzugehen.