Rindermastanlagen
Feedlots
Bei unseren Recherchen über die Pferdefleischproduktion und Blutfarmen in Südamerika sind wir auf sogenannte Feedlots gestossen. Das sind riesige Mastanlagen im Freien, in denen Rinder auf engem Raum gehalten werden, ohne Zugang zu Weideland. Rindfleisch aus Feedlot-Haltung wird als sogenanntes "High Quality Beef" (HQB) in den EU- und Schweizer Markt exportiert.
Die EU- und Schweizer Importbestimmungen für HQB schreiben vor, dass die Rinder während mindestens 100 Tagen vor der Schlachtung mit Futter, das nicht weniger als 62 bzw. 70 Prozent Getreide enthält, gemästet werden müssen. Durch diese Fütterung erhält das Fleisch eine besondere Marmorierung. Solche Fütterungsbestimmungen sind jedoch für Wiederkäuer nicht artgerecht und gesundheitsgefährdend, da ihre Verdauung auf Raufutter ausgelegt ist. Je höher der Kraftfutteranteil, desto grösser ist das Risiko für Stoffwechselkrankheiten.
2025 und 2026 haben unsere Einsatzteams 21 EU-zugelassene Feedlots in Uruguay, Argentinien und Brasilien dokumentiert. Die Recherchen belegen systematische Tierschutzprobleme:
Die Rinder haben permanenten Zugang zu Kraftfutter und viele sind stark übergewichtig. In den 100 - 200 Tagen im Feedlot erreichen sie eine Gewichtszunahme von bis zu 1.5 kg pro Tag.
Die meisten Tiere haben keinen Witterungsschutz, was im Sommer zu extremem Hitzestress führt. Nur in wenigen Feedlots gibt es Unterstände, aber deren Grösse und Anzahl reichen nicht aus.
Die Wasserqualität ist meist schlecht; in vielen Tränken sind Biofilmbildung oder Algenbefall zu beobachten, wodurch Giftstoffe ins Wasser gelangen können.
In der Regel steht nur eine Tränke pro Gruppe (> 100 Tiere) zur Verfügung, was zu Gedränge und Konkurrenz führt und den Zugang zu Wasser für untergeordnete Tiere erschwert.
Die Böden sind ein Gemisch aus Exkrementen und Erde. Nach Regenfällen sinken die Tiere bis zu den Knien im Schlamm ein und haben Mühe, sich fortzubewegen.
Die Rinder müssen sich in den Dreck legen, um sich auszuruhen, da es keine trockenen und sauberen Liegeflächen gibt. Viele Tiere sind stark mit Kot und Schlamm verunreinigt.
In der schieren Menge von Tieren bleiben kranke, abgemagerte, lahme und verletzte Rinder unentdeckt und unbehandelt.
Die Freihandelsabkommen
Die EU und die EFTA (Schweiz, Norwegen, Liechtenstein, Island) haben je ein Freihandelsabkommen mit den Mercosur-Staaten verhandelt, doch beide Abkommen beinhalten keine verbindlichen, durchsetzbaren Tierwohlstandards. Das EU-Mercosur-Abkommen senkt die Zölle für ein Kontingent von 99'000 Tonnen Rindfleisch erheblich. Im Rahmen des EFTA-Mercosur-Abkommens wird die Schweiz zusätzlich zu dem bestehenden WTO-Kontingent für Rindfleisch ein bilaterales Zollkontingent von 3000 Tonnen Rindfleisch gewähren. Sowohl das bestehende als auch das zusätzliche Kontingent werden zollfrei.
Das EU-Mercosur-Abkommen wird derzeit provisorisch angewendet, obwohl es vom Europäischen Parlament noch nicht ratifiziert wurde. Auch das EFTA-Mercosur-Abkommen wurde noch nicht ratifiziert. Das Schweizer Parlament behandelt das Abkommen im Rahmen seiner Sommer- und Herbstsession 2026. Der Nationalrat hat es inzwischen abgelehnt.
Unsere Forderungen
Das Europäische und das Schweizer Parlament müssen verbindliche und durchsetzbare Tierwohlstandards in die Mercosur-Freihandelsabkommen aufnehmen. Wir empfehlen, die Ratifizierung auszusetzen und neue Abkommen auszuhandeln, die den Marktzugang für tierische Erzeugnisse an die Einhaltung von europäischen Tierschutzstandards knüpfen.
Unabhängig von den Mercosur-Abkommen müssen die EU und die Schweiz den Import von tierquälerisch produziertem Feedlot-Fleisch verbieten und sicherstellen, dass sämtliches Rindfleisch aus Drittländern aus Weidehaltung stammt.
Die EU ist derzeit dabei, eine neue Tierschutzgesetzgebung zu erarbeiten, und muss sicherstellen, dass diese auch für importierte Produkte gilt.
Videos:
- Dokumentarfilm "Das Märchen von der Weide", 2026 (Recherchen zu Tierleid in Feedlots durch den EU-Mercosur-Handel)







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