09. Juli 2026

Medienmitteilung: Neue Recherche zu Tierexporten aus Rumänien zeigt Verstöße gegen Kennzeichnungspflicht und Tierschutz

Zu wenig Platz, um den Kopf zu heben, und fehlende Ohrmarken: Unsere Recherche im Hafen von Midia hat gravierende Mängel bei der Rückverfolgbarkeit und im Tierschutz aufgedeckt.

Nach dem bereits seit längerem verhängten Transportverbot von Schafen und Ziegen innerhalb Europas hat die EU-Kommission Rumänien nun auch den Export dieser Tiere in Drittländer untersagt. Eine im Mai 2026 durchgeführte Recherche im Hafen von Midia macht deutlich, warum diese Massnahmen zur Seuchenbekämpfung notwendig waren: Sie zeigt gravierende Mängel bei der Rückverfolgbarkeit von Tieren, der Biosicherheit und dem Tierschutz. Damit stärken die Erkenntnisse die Forderung nach einem schrittweisen Ende von Lebendtiertransporten und deren Ersatz durch sicherere Alternativen, die sowohl dem Tierschutz als auch der Seuchenbekämpfung gerecht werden.

Der derzeit verhängte Stopp des Exports von Schafen und Ziegen aus Rumänien in Drittländer untermauert die anhaltenden Bedenken hinsichtlich der Tiergesundheit und der staatlichen Kontrollsysteme des Landes. Bereits die zuvor verhängten Beschränkungen des Transports innerhalb der EU zeigt, dass das Vertrauen in die rumänische Veterinäraufsicht schwindet.

Eine neue Recherche der Animal Welfare Foundation (AWF) und des Tierschutzbund Zürich (TSB) im rumänischen Hafen Midia macht nun deutlich, wie gerechtfertigt diese Bedenken sind: Das Team hat schwerwiegende Vertsöße beim Export lebender Tiere in Drittländer dokumentiert, darunter fehlende Identifikation, mangelhafte Transportbedingungen und grober Umgang mit den Tieren. Dies ist besonders alarmierend, da Rumänien zu den wichtigsten Exporteuren lebender Tiere auf dem Seeweg innerhalb der EU gehört. Von insgesamt 357 Lebendtiertransporten per Schiff im Jahr 2025 starteten 152 im Hafen Midia. Damit entfielen im vergangenen Jahr 43 Prozent aller Lebendtierexporte der EU auf dem Seeweg auf Rumänien.

Die Teams dokumentierten Schafe, die ohne die gesetzlich vorgeschriebenen Ohrmarken – dem zentralen Tieridentifikationssystem der EU – transportiert wurden. Dies untergräbt die Rückverfolgbarkeit und die veterinärrechtliche Kontrolle, was vor dem Hintergrund der aktuellen Tierseuchenausbrüche äusserst problematisch ist.

„Wenn Tiere ohne gesetzlich vorgeschriebene Kennzeichnung an einem Exporthafen ankommen, ist weder ihre Rückverfolgbarkeit gewährleistet noch eine wirksame Seuchenüberwachung möglich“, sagt Magda Romańska, Projektleiterin bei der Animal Welfare Foundation.

Darüber hinaus dokumentierten die Organisationen weitere Tierschutzprobleme, darunter Transportfahrzeuge mit unzureichender Deckenhöhe sowie Konstruktionen, die ein erhöhtes Verletzungsrisiko für die Tiere darstellen. Die Teams verfolgten den Weg der Tiere von einer rumänischen Sammelstelle bis zum Hafen Midia, von wo aus der Export lebender Tiere per Schiff aus der EU startet. Dabei beobachteten sie unter anderem, wie Schafe an Schwanz oder Wolle gezogen und mit Stöcken geschlagen wurden – Praktiken, die gegen die EU-Tierschutzvorschriften verstossen.

Schlechte Transportbedingungen, grober Umgang und mangelhafte Biosicherheit können die Ausbreitung von Krankheiten begünstigen und die Widerstandsfähigkeit der Tiere verschlechtern.

Die Animal Welfare Foundation und die in Rumänien stark aktive Organisation Animals International sehen in den Ergebnissen Hinweise auf strukturelle Schwächen des rumänischen Systems für Lebendtierexporte.

„Rumänien kann von seinen Handelspartnern kein Vertrauen in ein System verlangen, das nicht einmal die gesetzlich vorgeschriebene Identität der exportierten Tiere gewährleisten kann“, sagt Gabriel Paun, EU-Direktor von Animals International. Die Organisationen fordern Rumänien auf, seine Exportstrategie zu überdenken und Lebendtierexporte schrittweise zugunsten des Handels mit Fleisch und anderen Lebensmitteln tierischen Ursprungs ohne Lebendtiertransporte einzustellen.

Derzeit überarbeitet die EU ihre Vorschriften zum Schutz von Tieren beim Transport. In ihrem Gesetzesvorschlag betont die Europäische Kommission, dass Tiere möglichst in der Nähe ihres Haltungsortes geschlachtet werden sollten und Lebendtiertransporte, wo immer möglich, durch den Handel mit Fleisch und Schlachtkörpern ersetzt werden sollen. Doch Rumänien stellt sich im laufenden Gesetzgebungsverfahren gegen zentrale Verbesserungen der Tierschutzvorschriften beim Transport – obwohl jedes Jahr weiterhin Millionen Tiere unter den Belastungen von Langstreckentransporten leiden.

Vor diesem Hintergrund fordern die Animal Welfare Foundation und Animals International die rumänische Regierung, die Nationale Behörde für Veterinärwesen und Lebensmittelsicherheit in Rumänien (ANSVSA), die Europäische Kommission sowie die Handelspartner Rumäniens auf, das System der Lebendtierexporte angesichts der neuen Erkenntnisse dringend neu zu bewerten. Zudem verlangen sie Massnahmen zur Beendigung von Praktiken, die den Tierschutz und die Biosicherheit gefährden.

Die Organisationen haben die Europäische Kommission in einem gemeinsamen Schreiben über die Ergebnisse der Recherche informiert. Darüber hinaus haben sie bei den rumänischen Behörden Beschwerde eingelegt.

Pressemitteilung hier downloaden. 

Video mit Aufnahmen der gesammelten Beweise: https://youtu.be/6xixIqeZ2ow