15. Juni 2026

Medienmitteilung: 50'000 Unterschriften gegen Tiertransporte in Kriegsgebiete der EU-Kommission übergeben

Während im Nahen Osten Bomben fallen, exportieren die EU-Mitgliedstaaten weiterhin lebende Tiere auf hoher See in die Region. Die Europäische Kommission (EK) schiebt die Verantwortung auf die Mitgliedstaaten. Doch der öffentliche Aufschrei gegen diesen Handel wächst: Mit Unterstützung der Eurogroup for Animals haben die Tierschutzorganisationen Animal Welfare Foundation aus Deutschland und Welfarm aus Frankreich eine gemeinsame Petition bei der EK eingereicht. Darin fordern sie einen sofortigen Stopp dieser Transporte ins Krisengebiet. 

Fast 50'000 Unterzeichnende fordern die EU auf, ihre Mitgliedstaaten anzuweisen, keine Tiertransporte mehr in Kriegs- und Krisengebiete im Nahen Osten zu genehmigen. Die gemeinsame Petition sendet eine klare Botschaft: EU-Bürger sind besorgt, dass Tiere weiterhin in Regionen transportiert werden, in denen Krieg herrscht und in denen es an grundlegenden Sicherheitsbedingungen fehlt.

„Tiere sind die vergessenen Opfer dieses Krieges. Es ist unverantwortlich, sie weiterhin in eine Region zu transportieren, in der Bomben fallen und lebenswichtige Infrastruktur zerstört wird“, sagt Maria Boada Saña, Tierärztin und Projektleiterin für Tiertransporte auf dem Seeweg bei der AWF.

Krieg dauert an, Transporte gehen weiter

Seit Ende Februar, als die USA und Israel gross angelegte Angriffe auf den Iran starteten, hat sich der Konflikt zu einem regionalen Krieg ausgeweitet. Raketen- und Drohnenangriffe, militärische Eskalationen und Seeblockaden haben seitdem verschiedene Länder im Nahen Osten getroffen. Angriffe auf Städte und Infrastruktur finden immer wieder statt, auch in Küstenregionen und strategisch wichtigen Gebieten wie Häfen. 

Dennoch exportieren die EU-Mitgliedstaaten weiterhin tausende lebende Tiere in Länder wie Israel oder den Libanon – also genau in jene Regionen, die direkt oder indirekt vom Krieg betroffen sind.

„Wer Tiere in ein Kriegsgebiet transportiert, setzt sie unkalkulierbaren Risiken aus. Dabei besagt die EU-Verordnung über den Schutz von Tieren beim Transport eindeutig, dass Tiere nicht transportiert werden dürfen, wenn den Tieren dabei Verletzungen oder unnötige Leiden zugefügt werden könnten“, sagt Stéphane Boissavy, Leiter für Interessenvertretung und Kampagnen bei Welfarm.

EU schiebt Verantwortung auf die Mitgliedstaaten

Gemeinsam mit 24 Partner-NGOs unterzeichneten die beiden Organisationen einen offenen Brief an die Europäische Kommission, der von der Eurogroup for Animals versandt und in dem gefordert wurde, die Mitgliedstaaten unverzüglich anzuweisen, den Transport von Tieren in das Kriegsgebiet zu verbieten. Der Brief blieb fast zwei Monate lang unbeantwortet, woraufhin die Organisationen nachhaken und die dringende Notwendigkeit zu Handeln betonten.

„In ihrer enttäuschenden Stellungnahme lehnt die EK trotz der instabilen Lage einen Stopp der Ausfuhr lebender Tiere in das Konfliktgebiet ab“, sagt Susanna Blattner, Projektleiterin für Nutztiere bei Eurogroup for Animals. 

Die Europäische Kommission argumentiert, dass das geltende EU-Recht keine Möglichkeit vorsehe, Ausfuhren generell zu verbieten. Stattdessen hat die Kommission die Mitgliedstaaten gar aufgefordert, Exporteure durch die „Ausstellung von Ersatzbescheinigungen“ in Ausnahmefällen zu unterstützen, damit die Transporte trotz „Schwierigkeiten“ fortgesetzt werden könnten. „In einer Zeit, in der das Wohlergehen der transportierten Tiere nicht mehr gewährleistet werden kann, sendet die Erleichterung der Fortsetzung dieser Exporte ein falsches Signal. Die Kommission sollte dem Tierschutz Vorrang einräumen und die Aussetzung von Transporten in Konfliktgebiete unterstützen“, so Susanna Blattner. 

Nicht mit EU-Recht zu vereinbaren

Gemäss EU-Recht  dürfen Tiere nur transportiert werden, wenn ihre Sicherheit während der gesamten Reise gewährleistet ist. In einem aktiven Kriegsgebiet ist dies unmöglich. Bombenangriffe, zerstörte Infrastruktur, gesperrte Strassen oder geschlossene Häfen stellen erhebliche Risiken für den Transport dar. 

Der Fall eines in Indien registrierten Viehtransportschiffs, das kürzlich vor der Küste Omans unterging zeigt, dass diese Risiken keineswegs hypothetisch sind. Medienberichten zufolge wurde das Schiff von einer Bombe oder einer Rakete getroffen und sank mit etwa 4000 Schafen und Ziegen an Bord. Auch wenn es sich nicht um ein europäisches Schiff handelte, verdeutlicht der Vorfall die Gefahren, denen auch europäische Tiertransportschiffe, ihre Besatzungen und die Tiere an Bord in der Region ausgesetzt sind.

Angesichts der enttäuschenden Reaktion der Kommission baten die Organisationen um ein Treffen mit deren Dienststellen (GD SANTE), um die Petition zu überreichen und die Europäische Kommission aufzufordern,

  • die Mitgliedstaaten unverzüglich anzuweisen, Tiertransporte in das Kriegsgebiet einzustellen; 
  • laufende Transporte streng zu überwachen und sicherzustellen, dass Notfallmassnahmen getroffen werden; 
  • das Genehmigungsverfahren für Exporte in Hochrisikogebiete dringend zu überprüfen.

Anfang dieser Woche erhielten die Organisationen die Gelegenheit zu einem Austausch mit Vertretern der Europäischen Kommission über dieses dringende Thema. Die Diskussion war wertvoll und die Organisationen schätzen es, dass sich die Kommission für sie Zeit genommen hat. Doch das Ergebnis blieb hinter den Erwartungen zurück: Die Kommission hielt daran fest, dass der derzeitige Rechtsrahmen ihr keine Handlungsmöglichkeiten biete und dass die Entscheidung über die Aussetzung dieser Transporte bei den Mitgliedstaaten liege. 

Diese Situation verdeutlicht die strukturellen Probleme im Zusammenhang mit dem Export lebender Tiere. Aus diesem Grund fordern die Organisationen die Kommission nachdrücklich auf, die Aufnahme eines Verbots von Exporten lebender Tiere in Kriegsgebiete in die überarbeitete Tiertransportverordnung zu unterstützen und einen konkreten Plan für den Übergang zu einem Handel mit Fleisch Karkassen vorzulegen. Studien zeigen, dass dies eine tragfähige Alternative  zum Transport lebender Tiere darstellt.


Seit Februar 2026 sind mehr als 50 Transporte lebender Tiere von europäischen Häfen aus zu Zielorten in der Konfliktzone (östliches Mittelmeer oder Rotes Meer) gestartet. Die überwiegende Mehrheit war für Israel bestimmt, während weitere Ladungen in den Libanon, nach Syrien, Jordanien, Saudi-Arabien und Somalia gingen. Der rumänische Hafen Midia war mit Abstand der wichtigste Abfahrtsort für diese Transporte. Weitere Exporthäfen sind vor allem Raša (Kroatien) und Sines (Portugal), aber auch Setúbal (Portugal), Koper (Slowenien) und Greenore (Irland).
Insgesamt wurden diese Fahrten mit 20 Transportschiffen durchgeführt. Einige von ihnen absolvierten innerhalb kurzer Zeit mehrere Fahrten (z. B. Finola M, Jersey, Julia L.S., Tuleen, Uranus II, Uranus III), was auf ein kontinuierliches und wiederkehrendes Handelsmuster hindeutet, und nicht nur auf vereinzelte Transporte. Insgesamt zeigen die Daten, dass die Exporte lebender Tiere aus der EU, auch in Hochrisikoziele, trotz der sich entwickelnden Konfliktsituation in diesem Zeitraum in gleichbleibendem Tempo fortgesetzt wurden.
 


Hier können Sie die Medienmitteilung herunterladen.