22. March 2015

Uruguay | Lavalleja | Estancia “Don Ramon”| Blutfarmen zur Hormongewinnung

Einer der beiden Treibgänge, wo Blut entnommen wurde. Der Stall wird zurzeit umgebaut.

Der Todeskampf dieser Stute muss Stunden gedauert haben, das zeigen die Scharrspuren von Beinen, Kopf und Schweif. (06.09.2014)

Heute treffen wir uns mit zwei Informanten, die seit einem halben Jahr das Blutgeschäft in Uruguay recherchieren. Sie zeigen uns eine Waldlichtung, wo sie im September 2014 viele Knochen und eine tote Stute entdeckt haben. Die Weide gehörte zu der in der Nachbarschaft gelegenen Estancia „Don Ramon“. Dort produzierten die Veterinäre Fernando Perdigón und Gabriel Maruri bis vor kurzem Blutserum für Europa. Mehrere hundert Stuten hielten sie hier gut verborgen in den Eukalyptuswäldern.

Wir fahren zur ehemaligen Blutfarm „Don Ramon“ und treffen dort Enrique Quintans, den Eigentümer der Estancia. Er erzählt uns, dass er einen Stall mit Nebengebäude 14 Jahre lang an die Veterinäre Perdigón und Maruri vermietet hatte. Es sein ein gutes Geschäft gewesen. 2‘500 US-Dollar bekam er für 100 Quadratmeter Stall pro Monat. Wir wollen von ihm wissen, wie sich das abgespielt hat, ob er die Stuten oder Fohlen gesehen habe. Er erzählt uns, dass er zur Geheimhaltung verpflichtet wurde und den Stall nicht betreten durfte. Es seien immer ca. 60 Stuten gleichzeitig in der Produktion gewesen. 300 bis 400 Stuten waren auf den Waldweiden in der Nachbarschaft.

Fohlen habe er so gut wie nie gesehen, sie wurden abgetrieben oder starben bei der Blutentnahme. Stuten, die nicht mehr schwanger wurden, habe man zum Schlachthof Clay gebracht. Wichtig ist ihm darauf hinzuweisen, dass die Blutentnahme immer nachts geschah, wohl wegen der kühleren Temperaturen aber auch, um nicht entdeckt zu werden.
 

Nach 14 Jahren mussten die Veterinäre diese Blutfarm schliessen, weil Nachbarn sie angezeigt hätten. Sie entdeckten sterbende Stuten auf dem Hof und in den Baumplantagen, die einem europäischen Forstunternehmen gehören. Die Waldbesitzer kündigten den Pachtvertrag, weil sie ihr Holzgeschäft vom Blutgeschäft nicht beschmutzen lassen wollten. Enrique Quintans erzählt uns, dass Fernando Perdigón 40 Minuten weiter ins Hinterland gezogen ist und dort ungestört weiter Blutserum produziert.