11. Dezember 2025

Brief an IMO: Zusammen mit 35 weiteren Organisationen fordern wir dringende internationale Regeln für Tiertransportschiffe

Gemeinsam mit 35 weiteren Tierschutzorganisationen fordern wir die Internationale Seeschifffahrtsorganisation (IMO) auf, endlich verbindliche internationale Vorschriften für Tiertransportschiffe einzuführen. Grund ist die zunehmende Zahl an Vorfällen und eine immer älter werdende Flotte von Tiertransportschiffen. Dies gefährdet Tiere, Menschen, die Umwelt und die öffentliche Gesundheit.

In einem offenen Brief an den IMO-Generalsekretär warnen wir gemeinsam vor systemischen Sicherheitsproblemen in der globalen Flotte für Lebendtiertransporte. Mit einem Durchschnittsalter von 40 Jahren sind diese Schiffe die ältesten aller Schifffahrtssektoren – weit über der üblichen sicheren Betriebsdauer von 25 Jahren.

Der jüngste Vorfall um die Spiridon II hat die Debatte zusätzlich verschärft. Ohne internationale Reformen sind weitere katastrophale Verluste von Tier- und Menschenleben unvermeidbar.

"Diese Katastrophen sind vorhersehbar"

"Fälle wie derjenige der 'Spiridon II' sind keine Einzelfälle, sondern die vorhersehbare Folge eines Systems, das es zulässt, dass veraltete Schiffe ohne spezifische internationale Sicherheits- oder Tierschutzstandards operieren", sagt unsere Projektleiterin Maria Boada Saña.

Sie verweist darauf, dass Tiertransportschiffe seit 2017 der am häufigsten festgehaltene Schiffstyp weltweit sind – trotz ihres geringen Anteils an der globalen Flotte. Viele dieser Schiffe fahren unter sogenannten Billigflaggen mit schwacher Aufsicht und verstoßen regelmäßig gegen Umwelt- und Sicherheitsauflagen.

Hohe Risiken für Mensch, Tier und Umwelt

"Kein anderer Schifffahrtssektor dürfte mit so alten und unsicheren Schiffen tätig sein – schon gar nicht mit lebenden, empfindungsfähigen Tieren an Bord", so Boada Saña weiter. Fehlende Regeln führen immer wieder zu Todesfällen bei den Besatzungen, verschmutzten Meeresregionen und großem Tierleid.

Seit dem Jahr 2000 gingen mindestens sieben große Tiertransportschiffe unter, darunter die Gulf Livestock 1 (2020), die Queen Hind (2019) und die Haidar (2015). Zehntausende Tiere und zahlreiche Seeleute kamen dabei ums Leben.

Auf langen Seereisen sind Tiere oft extremem Hitzestress, beengten, verdreckten Decks sowie Verletzungen und Krankheiten ausgesetzt. Auch die Besatzungen sind zunehmenden Gefahren ausgesetzt – von Unfällen bis hin zu zoonotischen Infektionen.

Mehrere Staaten haben bereits Konsequenzen gezogen

Aufgrund der anhaltenden Probleme haben Länder wie Neuseeland, Indien, Australien und das Vereinigte Königreich bereits Verbote oder Ausstiegspläne für Lebendtierexporte per Schiff beschlossen.

Dennoch operieren weltweit weiterhin rund 110 Tiertransportschiffe, viele davon mit unzureichender Technik oder mangelhafter Abfallentsorgung. Tierkadaver und Exkremente werden weiterhin häufig ungeklärt ins Meer geleitet – mitunter sogar in Schutzgebieten wie dem Mittelmeer oder dem Roten Meer.

Unsere Forderungen an die IMO

Zusammen mit einem internationalen Partnernetzwerk fordern wir die IMO daher auf, dringend zu handeln und unter anderem:

  • eine verbindliche internationale Code of Livestock Carriage zu entwickeln,
  • klare, durchsetzbare Standards festzulegen für: 
    • Schiffsdesign und Stabilität
    • Belüftungs- und Versorgungssysteme
    • Abfall- und Kadaverentsorgung
    • Sicherheit der Besatzung
    • Tierschutz
  • verbindliche Notfallpläne zu verlangen, um endlose Irrfahrten zu verhindern, wenn Häfen die Entladung verweigern,
  • Hafeninspektionen weltweit zu stärken
  • und systematische Verstöße gegen MARPOL-Umweltvorschriften zu untersuchen.

Unseren gemeinsamen Brief an die IMO finden Sie hier