13. Februar 2026

Medien thematisieren Debatte über das Alter von Tiertransportschiffen

Mehrere maritime Fachmedien berichten derzeit über die Debatte zum Alter von Frachtschiffen, die für Tiertransporte eingesetzt werden. Wir und andere Tierschutzorganisationen weisen seit Jahren darauf hin, dass überalterte und technisch mangelhafte Schiffe beim Transport das Leben der Tiere und der Crew gefährden. Deshalb haben wir die Internationale Seeschifffahrtsgesellschaft IMO aufgefordert, strengere Regeln durchzusetzen. Der Chef der australischen Tiertransport-Branche greift nun in die Debatte ein und behauptet, das Alter der Schiffe habe kaum etwas mit deren Gefährlichkeit zu tun. Das können wir klar widerlegen. 

Unsere gemeinsam mit der französischen Umweltorganisation Robin des Bois erstellte Untersuchung aus dem Jahr 2024 zeigt, dass Viehtransporter in Europa im Durchschnitt 42 Jahre alt sind. Mehr als die Hälfte fährt unter sogenannten „schwarzen Flaggen“. Diese maroden Schiffe bergen erhebliche Risiken für Tiere, Besatzungen, Umwelt und öffentliche Gesundheit.

Die Artikel berichten über die zunehmende Kritik an solchen alten Tiertransportschiffen – ausgelöst durch den Fall der Blue Ocean A, einem 34 Jahre alten Tiertransporter unter Flagge von St. Kitts und Nevis. Das Schiff ist kürzlich wegen eines Maschinenschadens beinahe auf Grund gelaufen. Während eines Sturms geriet es in Seenot und musste von der italienischen Marine gerettet werden (wir haben berichtet). 

Die Blue Ocean A wurde nach ihrer Rettung im italienischen Hafen Cagliari festgesetzt. Bei einer Kontrolle stellten die Verantwortlichen bei dem Schiff ganze 54 Mängel fest, davon 30 schwerwiegende. Beanstandet wurden unter anderem Defizite bei Brandschutz, Rettungsausrüstung, Brückensystemen, Notfalltraining sowie bei den Lebens- und Arbeitsbedingungen der Crew. Das ist kein Einzelfall: immer wieder werden Schiffe wegen gravierender Sicherheitsmängel festgesetzt. Dennoch haben viele solcher Schrottschiffe eine EU-Zulassung für den Transport lebender Tiere. 

Auf politischer Ebene diskutiert die EU derzeit über strengere Vorschriften. Im Raum steht auch ein mögliches Verbot von sogenannten „Schwarzflaggen“-Schiffen, wie unsere Projektleiterin Maria Boada Saña gegenüber Marinelink erklärt. Diese Schiffe weisen laut dem Paris Memorandum of Understanding besonders viele Mängel auf. 

Wir hoffen auf ein Verbot der „Schwarzflaggen“ und halten dies für einen Schritt in die richtige Richtung. „Doch aus Sicht des Tierschutzes reichen diese Maßnahmen noch nicht aus, um die tiefgreifenden strukturellen Probleme der Tiertransportflotte zu beheben“, so Boada Saña. „Grauflaggen“-Schiffe etwa dürfen weiterhin Tiere transportieren. In unserem gemeinsam mit weiteren Organisationen veröffentlichten Brief an die Internationale Seeschifffahrtsorganisation (IMO) fordern wir deshalb unter anderem strengere Zulassungskriterien, mehr Transparenz bei Inspektionen und ein langfristiger Ausstieg aus Langstrecken-Lebendtierexporten.

Nun hat sich der Chef des Branchenverbands Australian Livestock Exporters’ Council (ALEC) in die Debatte eingemischt. Er behauptet, das Alter eines Schiffes allein sei kein Maßstab für Sicherheit oder Tierwohl. Entscheidend seien Regulierung, Management, Vorbereitung der Tiere und operative Standards. 

Wir sehen das genauso: das Alter allein ist nicht entscheidend. Es ist jedoch eine Tatsache, dass die Flotte der für den Tiertransport zugelassenen Schiffe strukturelle Sicherheitsprobleme aufweist. Und das hat in hohem Maße mit deren Alter zu tun. Das Material wird mit den Jahren marode, die Technik veraltet, Motoren, Lüftungs- und Versorgungssysteme verschleißen, das Risiko struktureller oder technischer Defekte und der Wartungsbedarf steigen. 

Natürlich garantiert ein neues Schiff nicht automatisch einen perfekten Transport. Aber daraus zu schließen, dass das Alter keine zentrale Rolle spielt, widerspricht grundlegender Technik. 

Zu den Artikeln: 

Marinelink

Maritime Professional

Daily Cargo News