Globales Netzwerk von Tierschutzorganisationen fordert nach wiederholten Schiffskatastrophen dringende internationale Regulierung von Tiertransportschiffen
Ein globales Netzwerk von 36 Tierschutzorganisationen aus aller Welt hat die Internationale Seeschifffahrtsorganisation (IMO) dringend aufgefordert, verbindliche internationale Vorschriften für Tiertransportschiffe einzuführen. Die Organisationen warnen, dass durch die alternde Flotte Menschenleben, der Tierschutz, die öffentliche Gesundheit und die Meeresumwelt zunehmend gefährdet sind.
In einem offenen Brief an den Generalsekretär der IMO haben die Organisationen systemische Sicherheitsmängel in der gesamten globalen Flotte für den Transport lebender Tiere aufgezeigt. Mit einem Durchschnittsalter der Schiffe von 40 Jahren – weit über der international anerkannten sicheren Betriebsdauer von 25 Jahren – ist diese Flotte mittlerweile die älteste in der Schifffahrtsbranche.
Die Aufforderung folgt auf die jüngste Katastrophe mit dem Tiertransportschiff MV Spiridon II. Die Organisationen sind besorgt, dass ohne dringende internationale Intervention weitere katastrophale Verluste von Tier- und Menschenleben unvermeidlich sind.
„Solche Katastrophen sind keine Einzelfälle, sondern das vorhersehbare Ergebnis eines Systems, in dem minderwertige Schiffen lebende Tiere ohne spezifische internationale Sicherheits- oder Tierschutzvorschriften transportieren dürfen“, sagte Maria Boada Saña, Projektleiterin Schiffstransporte bei der Animal Welfare Foundation und dem Tierschutzbund Zürich.
„Tiertransportfrachter sind seit 2017 weltweit die am häufigsten festgehaltene Schiffskategorie, obwohl sie nur einen kleinen Prozentsatz der Weltflotte von Handelsschiffen ausmachen. Wir und unsere Koalitionspartner finden dies völlig inakzeptabel, weshalb wir uns offiziell an die IMO gewandt haben“, so Boada Saña.
Untersuchungen zeigen, dass viele der alternden Tiertransportschiffe unter Billigflaggen mit schwacher behördlicher Aufsicht fahren und wiederholt gegen internationale Umwelt- und Sicherheitsvorschriften verstoßen.
„Kein anderer Schifffahrtssektor dürfte so alte, unsichere und schlecht regulierte Schiffe betreiben. Und genau diese alten Schiffe transportieren lebende, empfindungsfähige Tiere“, sagt die Tierärztin. „Die mangelnde Regulierung dieser Schiffe kostet Menschenleben, zerstört Ökosysteme und führt jedes Jahr für Millionen von Tieren zu Leid und Tod auf See. Hier muss dringend Abhilfe geschaffen werden.“
Seit dem Jahr 2000 sind mindestens sieben große Tiertransportschiffe auf See verunglückt, was zum Tod von Dutzenden von Seeleuten und Zehntausenden von Tieren geführt hat. Zu den Katastrophen zählen Gulf Livestock 1 (2020), Haidar (2015), Queen Hind (2019), Al Badri (2022) und Danny F II (2009).
Langjährige Forschung zeigt, dass Tiere, die auf langen Seereisen transportiert werden, oft unter extremer Hitze, Überbelegung, langer Gefangenschaft in mit Exkrementen verschmutzten Pferchen sowie Krankheiten und Verletzungen leiden. Darüber hinaus sind die Seeleute auf diesen Schiffen zunehmend mit unsicheren Arbeitsbedingungen, der Gefahr von Zoonosen und einstürzenden Tierdecks konfrontiert.
Aufgrund dieser anhaltenden Tierschutzprobleme haben mehrere Länder bereits Verbote oder die schrittweise Abschaffung des Exports lebender Tiere auf dem Seeweg gesetzlich verankert, darunter Neuseeland, Indien, das Vereinigte Königreich und Australien. Weltweit sind jedoch weiterhin rund 110 Tiertransportschiffe in Betrieb, die regelmäßig unbehandelte Exkremente und Körper von toten Tieren auf See entsorgen, darunter auch in geschützten Gebieten wie dem Mittelmeer, dem Roten Meer und dem Persischen Golf.
In seinem gemeinsamen Schreiben fordert das globale Netzwerk von Tierschützern die IMO dringend auf:
- einen verbindlichen internationalen Kodex für den Transport von lebenden Tieren zu entwickeln,
- durchsetzbare Standards für folgende Bereiche vorzuschreiben:
- Schiffskonstruktion und Stabilität
- Belüftungs- und Rettungssysteme
- Abfall- und Tierkadavermanagement
- Sicherheit der Besatzung
- Tierschutz,
- Notfallpläne zu verlangen, um unbefristete Fahrten zu verhindern, wenn Tiere nicht entladen werden dürfen,
- die Hafeninspektionssysteme weltweit zu verstärken
- und weit verbreitete Verstöße gegen die MARPOL-Verschmutzungsgesetze zu untersuchen.
Die Pressemitteilung können Sie hier herunterladen.
Unseren gemeinsamen Brief an die IMO können Sie hier herunterladen.
