Erneute Tragödie am Grenzübergang von Bulgarien in die Türkei
Gestern spielte sich am Grenzübergang zur Türkei erneut Schreckliches ab: 55 Färsen aus Polen wurden getötet, nachdem sie tagelang zwischen den Grenzen gefangen waren. Der Grund: Unterschiedliche Definitionen, was als blauzungenkrankheitsfreies Gebiet gilt.
Die Türkei wendet Richtlinien der Weltorganisation für Tiergesundheit (WOAH) an. Dort gelten ganze Provinzen als betroffen. Polen hingegen nutzt ein System, bei dem bestimmte Gebiete innerhalb betroffener Provinzen als frei von Blauzungenkrankheit anerkannt werden. Einige der Rinder kamen aus einem Gebiet, das aus Sicht Polens frei von der Krankheit ist, aus Sicht der Türkei jedoch betroffen. Während die Behörden sich gegenseitig widersprachen, waren die Tiere die Leidtragenden – wie so oft.
Obwohl die Tiere aus dem Transporter gelassen und notdürftig versorgt wurden, reißen die aktuellen Bilder alte Wunden auf: Vor nicht einmal einem Jahr erschütterte das Schicksal von 69 Färsen in demselben Grenzgebiet Menschen weltweit – dokumentiert durch unsere gemeinsam mit unserer Partnerorganisation "Animals' Angels" durchgeführte Recherchen und den Film des deutschen Filmemachers Manfred Karremann. Obwohl dieser Fall auch in der Politik hohe Wellen schlug, exportieren EU-Länder noch immer Tiere in Drittländer.
Das erneute Behördenversagen zeigt brutal deutlich: Der Export lebender Tiere in Länder außerhalb der EU muss endlich verboten werden!
Denn Fakt ist: Solche Transporte können niemals tierschutzgerecht sein. Sobald ein Tier die EU verlässt, gibt es keinen Rückweg. Ein falsches oder fehlendes bürokratisches Detail – und die Tiere hängen im Nichts fest. Was folgt, ist fast immer dasselbe: Notschlachtung. Nach tagelanger, manchmal wochenlanger Qual. Oft eingepfercht im überhitzten Lastwagen, stehend in den eigenen Exkrementen, in großer Angst.
Seit 15 Jahren dokumentieren wir diese Zustände: tagelange Wartezeiten, extreme Temperaturen, mangelnde Versorgung, kaum Platz. Und seit 15 Jahren fordern wir Politik und Behörden zum Handeln auf. Jede unserer Recherchen, jede Veröffentlichung erhöht den Druck. Auch dieses Jahr, schon in wenigen Wochen, werden wir wieder ins bulgarisch-türkische Grenzgebiet zurückkehren, Verstöße aufdecken, das Leid zeigen und Verantwortliche zur Rechenschaft ziehen. Wir kämpfen dafür, dass nicht noch mehr Tiere auf so grausame Weise ihr Leben verlieren.

